Stillen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Wir möchten Sie informieren, offene Fragen beantworten und Sie beim Stillen Ihres Babys unterstützen.
Bei Fragen hilft Ihnen die Stillberatung der Station 5CD.
Petra Kremer, Annette Schabacker, Katharina Ley, Verena Rösch
Tel.: 0951 503-16773

Stillen besteht nicht nur aus Nahrungsaufnahme. Es bedeutet gleichzeitig Kuscheln, Schmusen und intensiven Hautkontakt, den gerade ein Frühgeborenes oder krankes Neugeborenes dringend braucht.
Falls Ihr Kind noch zu klein oder zu schwach (krank) ist, um gestillt zu werden, kann der erste intensive Kontakt durch Känguruhen (nackte Babyhaut auf nackte Elternbrust) aufgebaut werden. Dies soll in den ersten 24h stattfinden. Durch den intensiven Hautkontakt wird bei der Mutter das Hormon Prolaktin ausgeschüttet, das die Milchbildung fördert. Zudem gibt Ihnen dies die Möglichkeit, Mimik, Gestik und Verhaltensweisen Ihres Kindes zu lernen und zu deuten.
Die erste Milch (Kolostrum) wird in der 16. Schwangerschaftswoche und in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Geburt in wenigen Millilitern bis ca. 20ml gebildet. Sie ist gelb, dickflüssig, reich an Eiweißen und Vitaminen, aber arm an Fetten und Kohlenhydraten. Somit ist sie energieärmer und für das Neugeborene leicht verdaulich. Dieses Kolostrum ist besonders wichtig, denn es ist wie eine erste Impfung mit Abwehrstoffen für Ihr Baby.
Der Übergang von Kolostrum zu reifer Muttermilch findet zwischen dem 2.- 5. Tag statt. Die Brust wird warm, sie fühlt sich fest und voller an, evtl. ist eine Venenzeichnung an der Brust erkennbar. Jetzt ist es wichtig, regelmäßig weiter anzulegen/abzupumpen. Wärmen vor und kühlen nach dem Anlegen/Abpumpen, sowie Brustmassage können das Wohlbefinden in dieser Zeit fördern.
Dass ihr Baby gestillt werden möchte, erkennen Sie hieran:
Muttermilch...
Kranke Neugeborene und Frühgeborene können abhängig von der Schwangerschaftswoche und Art der Erkrankung noch nicht selbst trinken. Sie werden teilweise vorerst über längere Zeit mit einer Infusion und Muttermilch / Frauenmilch über eine Magensonde ernährt. Durch das Känguruhen wurde Ihr Kind schon etwas an die Brust gewöhnt und hat eventuell schon erste Saugversuche unternommen. Das erste Anlegen ist von der Schwangerschaftswoche und dem Allgemeinzustand des Babys abhängig. Wichtig ist anfangs nicht die Trinkmenge, sondern das langsame Heranführen an die Brust und die Qualität des Trinkens. Haben Sie etwas Geduld, denn es kann sein, dass mehrere Versuche und längere Zeit notwendig sind, bis Ihr Baby effektiv an der Brust saugt. Das Kind sollte sich in einer wachen, aufmerksamen Phase befinden.
Mit diesen Maßnahmen können Sie den Milchspendereflex fördern und auslösen:
Stillhütchen können bei einem Missverhältnis (Babymund – Brustwarze) gerade bei Frühgeborenen helfen, die Brustwarze richtig zu erfassen und so effektiv zu trinken. Sie sollten jedoch nur als Übergang verwendet werden, bis ein direktes Stillen möglich ist. Das Abtrainieren ist jederzeit möglich und kann mit der Stillberatung erfolgen.
Eine Wiegeprobe ist anfangs noch nötig, um die ungefähre Menge einer Stillmahlzeit zu ermitteln. Hat Ihr Kind die erforderliche Trinkmenge an der Brust noch nicht geschafft, kann der Rest an der Brust liegend über die Magensonde verabreicht werden. So bringt Ihr Kind die Brust mit einem angenehmen Sättigungsgefühl in Verbindung. Mit der Zeit wird Ihr Baby immer mehr an der Brust trinken und auch häufiger angelegt werden können. Während der ersten Stillversuche sollten Sie die Hilfe des Pflegepersonals oder der Stillberatung in Anspruch nehmen. Es wird situativ entschieden und mit Ihnen zusammen das weitere Vorgehen besprochen.
Probleme beim Anlegen von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen können auftreten durch:
Was man dagegen tun kann:
Beim Stillen gehen Sie am besten folgendermaßen vor:
So erkennen Sie, dass ihr Baby effektiv saugt:
Auch Stillhütchen genannt, ist in der Form einer Brustwarze nachempfunden, Sie können dem Baby das Saugen an der Brust erleichtern, wenn die mütterliche Brustwarze ungünstig geformt ist, oder die Kraft des Babys im Mund – Kieferbereich noch nicht ausreichend ausgeprägt ist. Gerade für den Anfang bei kranken Babys/Frühgeborene, kann dies eine gute Hilfestellung sein. Nur Verwenden, wenn das Stillen auf keine andere Weise möglich ist.
So wenden Sie das Stillhütchen korrekt an:
Wählen Sie eine Stillposition, die für Sie entspannt und bequem ist. Eine ruhige Atmosphäre gibt Ihnen die Möglichkeit, sich ganz auf Ihr Kind zu konzentrieren. Ein Stillkissen oder eine Stillschlange sind oft hilfreich bei der Lagerung. Hier sind die häufigsten Positionen. In jeder Position sollten Sie auf korrektes Anlegen achten.
Auf der Seite liegend sollten Sie Ihren Rücken gut abstützen. Ein festes Kopfkissen stützt Ihren Kopf. Ihr Baby liegt ebenso auf der Seite und ist Ihnen zugewandt (Bauch an Bauch). Ziehen Sie Ihr Kind zu sich heran. Dabei sollte sich der Mund des Babys auf der Höhe Ihrer Brutwarze befinden. Der Rücken des Babys sollte ebenso mit einer Rolle gestützt werden. Ihr Arm liegt angewinkelt oberhalb des Babykopfes. Nun sollte Ihr Kind die Brust mit Hilfe des C-Griffes gut fassen können.


Sitzend, evtl. ein Kissen im Rücken und Füße auf einen Hocker. Legen Sie ein Kissen oder eine Stillschlange auf Ihre Beine. Der Körper des Babys liegt auf Ihrem Unterarm, mit der Hand führen Sie seinen Kopf. Die Beinchen sind zur Rückenlehne ausgerichtet. Mit der freien Hand wieder im C- Griff anlegen. Bitte darauf achten, dass der Mund des Babys sich auf der Höhe der Brustwarze befindet.
Suchen Sie sich eine bequeme Sitzgelegenheit, an der Sie die Arme aufstützen können. Mit einem Fußhocker und einem Stillkissen können Sie Ihr Kind in der richtigen Höhe auf Ihren Beinen positionieren. Das Baby liegt auf Ihrem Unterarm, der Kopf in der Armbeuge. Es liegt Bauch an Bauch an Sie geschmiegt, die Oberlippe des Babys gegenüber der Brustwarze. Dies ist die häufigste Stillposition, da sie überall anwendbar ist.


Nehmen Sie eine bequeme zurückgelehnte Position ein. Der Kopf, der Nacken, die Schultern, der obere Rücken und die Arme werden mit Kissen unterstützt, sodass sie sich völlig entspannen können. Zum Intuitiven Stillen ist es notwendig, dass sie möglichst viel Hautkontakt mit Ihrem Baby haben. Das Baby wird bäuchlings auf den Bauch der Mutter gelegt, so dass sein Kopf nah bei den Brüsten liegt und es sich mit den Armen auf der Mutter abstützen kann. Sie legen locker eine Hand auf dem Po des Babys, damit es nicht zur Seite fällt. Wenn Sie es notwendig finden, helfen Sie Ihrem Baby. Dann warten Sie entspannt, ob das Baby von alleine „andocken“ wird. Im Anschluss können Sie den Arm locker um das Baby legen, sodass sein Köpfchen daran anlehnen kann. Am besten funktioniert das intuitive Stillen, wenn das Baby wach und aufmerksam ist.
Frühgeborene Kinder liegen oft in einem Inkubator. Durch das Känguruhen wird es Ihnen als Eltern ermöglicht in engen Hautkontakt, im besten Fall nackte Babyhaut auf nackte Brust des Elternteils, mit Ihrem Kind zu kommen und ihm so Nähe und Geborgenheit zu vermitteln. Dafür sollten Sie sich täglich Zeit nehmen.

Um das Erlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten, sollten einige Punkte beachtet werden:
Der Brust-Mund-Kontakt fördert die Besiedelung des kindlichen Darms mit der mütterlichen Keimflora und unterstützt somit die Besiedlung mit Bifidusbakterien, die unter anderem eine schützende Wirkung vor einer NEC haben.
Der frühe Brust-Mund Kontakt bewirkt, dass die Mutter im Verlauf über mehr Milch verfügt und dass in der Muttermilch gezielte Abwehrstoffe enthalten sind.
Die Brustmassage ist eine gute Vorbereitung vor dem Anlegen, dem Abpumpen oder der manuellen Brustentleerung.
Setzen Sie den Daumen auf der einen Seite, Zeige- und Mittelfinger auf der gegenüberliegenden Seite der Brustwarze an (ca. 2-3cm von Brustwarze entfernt). Dies ist der sogenannte C-Griff. Heben Sie die Finger etwas an und drücken Sie die Finger in Richtung Brustkorb. Dabei spreizen Sie leicht die Finger. Achten Sie darauf, dass die Finger nicht über das Gewebe rutschen, sondern an der gleichen Position bleiben und das Gewebe somit mitnehmen, dann führen Sie die Finger rhythmisch zusammen und bewegen sie nach vorne. Drehen Sie dabei langsam die Hand rum um die Brustwarze, damit Sie alle Bereiche erfassen.
Die gewonnene Muttermilch fangen Sie in einem ausgekochten Gefäß oder direkt mit einer 1ml Spritze auf.
Es ist hilfreich, wenn Sie die ersten 24 Stunden nach der Geburt die Brust von Hand entleeren.
Da Sie unter Umständen über einen längeren Zeitraum abpumpen müssen, wäre eine elektrische Intervallpumpe für Zuhause vorteilhaft. Um die Aufrechterhaltung der Milchbildung zu gewährleisten, ist ein Doppelpumpset, das Zeit und Stress spart, am sinnvollsten.
Die Milchpumpe können Sie in der Apotheke oder Sanitätshäusern ausleihen. Achten Sie beim Kauf des dazugehörigen Sets auf die richtige Trichtergröße.
Suchen Sie sich einen ruhigen Platz und eine bequeme Sitzgelegenheit. In einer guten warmen Umgebung lässt sich die Milch meist besser abpumpen. Am effektivsten ist es, nach dem Känguruhen oder am Bett des Kindes abzupumpen. Für Zuhause hilft es oft, ein Bild Ihres Babys anzuschauen.
In den ersten Tagen kann man oft nur wenige Milliliter Kolostrum fördern. Dieses ist für die Immunabwehr und den Schutz der Darmschleimhaut von Frühgeborenen sehr wichtig. Auch bei geringen Mengen zählt jeder Tropfen für Ihr Kind. Die weitere regelmäßige Stimulation ist erforderlich für die Milchbildung.
Wichtig: Vor dem Abpumpen die Hände gründlich waschen und desinfizieren!
Das Abpumpen darf keine Schmerzen verursachen!
Abpumpintervall bis zum 10. Lebenstag:
Abpumpintervall ab dem 10. Lebenstag:
Abpumpzeiten:
Vorgehensweise beim Abpumpen:
In diesem Video finden Sie eine Anleitung für das Abpumpen von der Firma Medela. (hier klicken)
Nach jedem Gebrauch reinigen Sie ihr Milchpumpenset ganz einfach zuhause:
Wenn in der ersten Zeit Ihre Muttermilchmenge deutlich den Bedarf Ihres Frühgeborenen übersteigt, ist es möglich, die Muttermilch bei uns in der Klinik zu spenden. Somit können auch Frühgeborene, bei denen die Muttermilchmenge der eigenen Mutter noch nicht ausreicht, diese als Frauenmilch erhalten und müssen gerade in der Anfangszeit nicht auf die Vorteile der Muttermilch verzichten.
Hierfür müssen einige Voraussetzungen abgeklärt werden. Bei Interesse können Sie gerne die Stillberatung der Station 5CD oder das Personal ansprechen. Dann werden wir Ihnen im persönlichen Gespräch die genauere Vorgehensweise erklären.
UND ABGABE IN DER MILCHKÜCHE
Bei Raumtemperatur 25°C
Im Kühlschrank (4°C)
Tiefgefroren
Nach etwa 3 Monaten ändert sich der Geschmack der Muttermilch. Durch das Einfrieren werden zum Teil wertvolle Inhaltsstoffe zerstört.
Lassen Sie Muttermilch unter fließendem Wasser, bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank auftauen. Nicht im Flaschenwärmer oder in der Mikrowelle auftauen!
Aufgetaute Muttermilch ist:
Durch Stress, Ängste, Sorgen um Ihr Kind und teilweise lange Abpumppausen, kann es sein, dass sich Ihre Milchmenge reduziert. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen.
Um Ihre Milchmenge zu steigern...:


Was Sie bei Milchstau und wunden Brustwarzen tun können.
| Symptome: | Ursache: |
|---|---|
| - Verhärtung der Brust | - Schmerzen |
| - Rötung, warme Brust | - Stress |
| - Schmerzen | - Verspannung |
| - Schwellung | Falsche Anlegetechnik |
| - Fieber bis 38,4°C, ohne Krankheitsgefühl | - Milchfluss ist verhindert |
| - Zu enger Still-BH | |
| - Zu große Stillpausen |
Sollte innerhalb von 24 Stunden keine Besserung eintreten, bei Auftreten von Fieber bis 40°C oder grippeähnlichen Symptomen bitte sofort einen Termin mit einem Arzt vereinbaren!
Vor dem Stillen
Sorgen Sie für kurze feuchte Wärme (z.B. mit einem warmen Waschlappen), um den Milchfluss zu steigern.
Nach dem Stillen
| Symptome: | Ursachen: |
|---|---|
| - Schmerzen | - Geschwollene Brust |
| - Rötung | - Inkorrekte Anlegetechnik |
| - Schwellung | - Immer gleichbleibende Stillposition |
| - Hautabschürfungen | - Abruptes Ablösen von der Brust (ohne den Sog des Kindes zu lösen) |
| - Tiefe, möglicherweise blutige Einrisse und krustige Beläge | - Verwendung von stark parfürmierten Deos / Duschgel |
| - Zu starker Sog an der Milchpumpe | |
| - Falsche Trichtergröße der Milchpumpe | |
| - Falsche Trichtergröße des Stillhutes | |
| - Hohlwarzen | |
| - Zungenbändchen | |
| - Soor |
Sollte keine Besserung eintreten, wenden Sie sich an die Stillberatung, unser Personal oder Ihre Hebamme. Ab dem 7. -10. Tag postpartal sind bei fast allen Frauen die Schmerzen von anfänglich gereizten Brustwarzen abgeklungen.
Stillhütchen nur in Ausnahmefällen übergangsweise benutzen!
einer stillenden Mutter
Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihres Kindes. Sie haben die Schwangerschaft und die Geburt begleitet und jetzt wird Ihr Kind auf einer Intensivstation versorgt. Diese Zeit wird für Sie eine Berg– und Talfahrt werden. Sie werden viele Emotionen durchleben und das zu bewältigen wird nicht leicht werden. Es hilft, sich gegenseitig auszutauschen und über das Erlebte und die Sorgen zu sprechen.
Das Wochenbett ist für alle immer eine besondere anstrengende Situation. Es geht einher mit vielen hormonellen Veränderungen und Belastungen der Mutter. Sie können als Partner:in trotzdem jederzeit unterstützen.
Sprechen Sie jederzeit bei Fragen oder offenen Punkten das Pflegepersonal, Hebammen oder Stillberater:innen an! Wir können Ihnen bei Ihrem Anliegen sicher weiterhelfen!
Hier bekommen Sie weitere Hilfe Rund um das Thema Stillen