Angsterkrankungen sind insgesamt die häufigsten psychischen Erkrankungen. Mindestens jeder vierte ist im Laufe des Lebens von einer Angsterkrankung betroffen. Dass Menschen in manchen Situationen Angst empfinden, ist zunächst einmal nichts Ungewöhnliches, da Angst ein grundlegendes Gefühl und eine biologisch sinnvolle Reaktion auf reale Gefahren darstellt. Sie versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit, was in vielen Gefahrensituationen auch sinnvoll ist.
Problematisch wird es allerdings, wenn Angstreaktionen viel zu stark ausfallen und der entsprechenden Situation nicht mehr angemessen sind. Obwohl den Betroffenen dann in der Regel klar ist, dass die Heftigkeit ihrer Reaktion übertrieben ist, gelingt es ihnen dennoch nicht, ihre Angst zu kontrollieren. Vielfach ist es dann nicht mehr möglich, ein normales Leben zu führen, da zu viele angstmachende Situationen vermieden werden. In Extremfällen kann es dabei so weit kommen, dass es den betroffenen Personen nicht mehr möglich ist, ihre Wohnung zu verlassen.
Wenn Sie unter Angststörungen oder unter Zwängen leiden, helfen wir Ihnen mit Hilfe von speziell auf diese Krankheitsbilder zugeschnittenen therapeutischen Einzel- und Gruppenangeboten, mögliche Ursachen zu erkennen, erarbeiten mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan und gehen mit Ihnen gemeinsam die entscheidenden Schritte, um sich Ihren Ängsten oder Zwängen zu stellen und wieder in Ihr normales Leben zurückzufinden.

Bei den sogenannten Phobien besteht die Angst vor spezifischen Situationen oder Objekten.
Das können bei der sog. spezifischen Phobie bestimmte Tiere (Hunde, Spinnen, Ratten etc.) oder Situationen (z.B. Höhen, Spritzen etc.) sein. Personen mit einer sozialen Phobie ist es kaum mehr möglich, in irgendeiner Form im sozialen Mittelpunkt zu stehen, sei es, wenn es darum geht kurze Ansprachen zu halten oder aber auch aktiv an Besprechungen oder geselligen Runden in Beruf und Freizeit teilzunehmen. Bei der Agoraphobie schließlich machen alle diejenigen Situationen Angst, bei denen es schwierig ist, zu entkommen oder sich Hilfe zu holen, z.B. in überfüllten Aufzügen, in Menschenansammlungen oder in voll besetzten öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch auf Autobahnfahrten oder alleine in „freier Natur“.
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Allerdings gibt es auch eine Gruppe von Angststörungen, bei denen Angstsymptome auftreten, die nicht an eine auslösende Situation gebunden sind. Bei der Panikstörung erleben Betroffene immer wieder extrem starke Ängste, die ohne jegliche Vorwarnung auftreten. Diese Panikattacken gehen mit so starker körperlicher Symptomatik einher, dass nicht selten an eine schwere körperliche Erkrankung gedacht wird und der Patient mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht wird. Die Symptomatik ist so stark ausgeprägt, dass der Betroffene Angst hat zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren.
Bei der generalisierten Angststörung ist man ständig in extremer Sorge z.B. um die eigene Gesundheit, die finanzielle Zukunft oder auch um das Wohlergehen von Angehörigen oder nahen Bekannten. Diese Besorgnis geht mit anhaltender Anspannung, muskulärer Verspannung und Unfähigkeit zu entspannen einher.
Viele Menschen folgen in manchen Situationen gewissen Routinen und überprüfen z.B. beim Verlassen der Wohnung, ob Küchengeräte ausgeschaltet und die Fenster geschlossen sind und ob die Tür wirklich abgesperrt ist. Belastend wird es für die Betroffenen dann, wenn komplexe Kontrollrituale entstehen, welche sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, also zum Beispiel nicht nur einmal, sondern mehrmals hintereinander überprüft werden muss, ob der Herd wirklich aus ist. Obwohl den Betroffenen klar ist, dass ihre Befürchtungen übertrieben sind, löst das Unterlassen solcher Rituale große Angst aus, die erst dann einigermaßen in Schach gehalten werden kann, wenn die umfangreichen selbst auferlegten Kontrollregeln abgearbeitet werden.
Andere Formen von Zwangsstörungen können sich zum Beispiel in Waschzwängen (aus Angst, sich mit Schmutz, Bakterien oder Viren verunreinigt zu haben, werden umfangreiche Wasch- und Desinfektionsrituale durchgeführt) oder in Ordnungszwängen (ein strenges Ordnungssystem z.B. in der eigenen Wohnung muss eingehalten werden) äußern.
Auslösend für Zwangshandlungen sind in der Regel als ungewollt und sehr unangenehm erlebte Zwangsgedanken (im oben genannten Beispiel etwa: „ich könnte mich infiziert haben“). Diese Gedanken können auch ohne Zwangshandlungen auftreten in Form von aufdringlichen Impulsen (z.B. sich aggressiv anderen gegenüber zu verhalten). Dann besteht die Angst vor allem darin, diese Impulse gegen den eigenen Willen in die Tat umzusetzen und so sich selbst oder anderen Schaden zuzufügen.