Keine falsche Zurückhaltung bei Schlaganfall oder Herzinfarkt

Akuterkrankungen auch in Zeiten von COVID-19 ernst nehmen

Viele Kliniken verzeichnen aktuell einen auffälligen Rückgang an Schlaganfall und Herzinfarkt Patienten. Man könnte den Eindruck bekommen, das COVID-19 Virus reduziere diese Akuterkrankungen. Doch hinter dieser Beobachtung steckt ein durchaus bedenkliches Phänomen, wie auch Privatdozent Dr. Martin Braun, Chefarzt der Medizinischen Klinik I für Kardiologie, Elektrophysiologie und Intensivmedizin an der Sozialstiftung Bamberg, betont. Viele Menschen vermeiden offensichtlich aus Angst vor einer Ansteckung mit dem COVID-19 Virus den Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus. Für harmlosere Erkrankungen und Blessuren ist dies auch definitiv der richtige Schritt. Nicht jedoch, wenn es sich um ernsthafte Akutfälle handelt, bei denen eine zeitnahe Versorgung häufig entscheidend für den gesamten nachfolgenden Genesungsprozess ist, wie etwa bei Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Betroffen von diesen Erkrankungen sind häufig Patienten, die selbst in die Risikogruppe für eine COVID-19 Infektion fallen und die dementsprechend in diesen Tagen besonders vorsichtig im Kontakt mit der Außenwelt sind. „Während Patienten mit akuten Verletzungen nach wie vor zeitnahe den Arzt aufsuchen oder ins Klinikum kommen, weil sie deutliche Schmerzen haben, verursacht ein Schlaganfall  keine Schmerzen“, erklärt Prof. Dr. Herwig Strik, Chefarzt der Neurologischen Klinik in Bamberg. Gerade in einer Zeit, in der genau überlegt wird, ob ein Arztbesuch notwendig ist, werden alarmierende Beschwerden teilweise ganz ignoriert. Das Tückische dabei: Auch ein leichter Vorbote eines Schlaganfalls kann das Risiko andeuten, dass später ein schwerer Schlaganfall droht. Ein leichter Schlaganfall geht meistens von selbst vorbei, aber unbehandelt ist das Risiko hoch, dass der Patient zeitnahe einen zweiten schweren Schlaganfall erleidet, bei dem dann auch die Folgeerscheinungen schwerwiegend ausfallen können, wie auch Dr. Arne Lenz, Oberarzt der Neurologischen Klinik, bestätigt.

Daher gilt es auch in Zeiten von COVID-19, entsprechende Symptome ernst zu nehmen und den Weg ins Klinikum anzutreten. Grundsätzlich sollte sich jeder mit vorübergehenden oder anhaltenden Beschwerden  sofort in ärztliche Behandlung begeben. Ein Herzinfarkt äußert sich häufig durch starke, teilweise brennende Schmerzen oder Engegefühl im Brustkorb und kalten Schweiß bei fahler Gesichtsfarbe. Typische Symptome eines Schlaganfalls sind Lähmungen, Taubheitsgefühle an Armen oder Beinen, Sprachstörungen oder Sehstörungen. Diese typischen Symptome, auch wenn sie nur leicht sind und nur kurz andauern, können ein Zeichen dafür sein, dass ein verborgenes Risiko für einen Schlaganfall existiert, das mit der richtigen Überwachung und Behandlung reduziert werden kann.

Auch die Angst der Patienten, sich im Krankenhaus mit COVID-19 anzustecken, können die Ärzte entkräften. Im Klinikum Bamberg sind alle Vorkehrungen getroffen, um eine klare räumliche Trennung von Akutpatienten und COVID-19 Patienten sicherzustellen. Alle Mitarbeiter ergreifen die erforderlichen Schutzmaßnahmen und auch Patienten, die ins Haus kommen, erhalten Mund-Nasen-Schutz. Für Akutpatienten besteht somit auch innerhalb des Klinikums keine erhöhte Infektionsgefahr. Daher sollten sich Patienten mit Akuterkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt keinesfalls selbst durch falsche Zurückhaltung in Gefahr bringen. 

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