Ein großes Stück Lebensqualität zurückgewonnen

Die Sektion für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der Sozialstiftung Bamberg behandelt das Lipödem mit optimalem Ergebnis

Natascha mit ihrer Tochter und ihrem Hund nach der OP

In der Pubertät begann für Natascha das große Leiden: ihre Oberschenkel wurden immer dicker, schienen zu „explodieren“. Das Gewebe an ihren Beinen spannte und schmerzte, jede Berührung verursachte höllische Schmerzen und beim kleinsten Druck bildeten sich blaue Flecke. Durch die schweren Oberschenkel trug Natascha ein wahnsinnig hohes Gewicht mit sich herum. Heute ist klar, dass die 37-Jährige am Lipödem litt, einer krankhaften Veränderung des Fettgewebes, die an Armen, Hüften, Gesäß und Beinen auftreten kann. So unklar die Ursachen für die voranschreitenden Fetteinlagerungen bisher sind, so oft wird die Krankheit von Ärzten nicht erkannt. Dadurch werden die Patienten in vielen Fällen nicht ernst genommen und gehen bis zur Diagnose einen langen Leidensweg. „Ich solle nicht so viel essen, hieß es. Also machte ich Diäten und versuchte es mit metabolischer Ernährung, einem Konzept, das auf den individuellen Stoffwechsel abgestimmt ist“, erzählt Natascha. „Ich konsultierte einen Ernährungsberater, nahm mir einen Personal Trainer und ging jeden Tag vor der Arbeit und in der Mittagspause joggen und walken. Ich beschäftigte mich konsequent mit dem Thema Gewichtsreduktion, doch all das brachte nichts. Gleichzeitig wurde ich immer unzufriedener und trauriger.“ Vom vielen Laufen entzündeten sich ihre Knie und auch bei den so geliebten Wanderungen mit ihrer Familie schmerzten und brannten die Beine. Selbst shoppen machte keinen Spaß mehr. Von 50 Hosen passte keine, Natascha bekam sie meist gar nicht über die Knie. Kurze Röcke oder Hosen waren tabu, ein Schwimmbadbesuch undenkbar. „Ich wurde gehänselt und gemobbt, schämte mich sehr und fühlte mich unverstanden. Meist hieß es, ich würde zu viel essen“, sagt die Nürnbergerin. Ein Teufelskreis, der sich später auch auf ihren Job auswirkte. Im Außendienst sank das Selbstbewusstsein der selbstständigen Grafikerin zusehends.

Nicht nur Mitmenschen und Ärzte, auch die Krankenkassen tun sich oft schwer mit Lipödemen und gehen regelmäßig davon aus, dass ausschließlich Wickelungen und Kompressionshosen helfen. Doch diese Maßnahmen ändern häufig nichts am Grundproblem, so dass in vielen Fällen nur eine operative Fettabsaugung dauerhaft Abhilfe schaffen kann.  Derzeit werden die Behandlungskosten von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernommen, was sich jedoch in Zukunft zugunsten der betroffenen Patienten ändern könnte.  

Nataschas Hausärztin in Nürnberg empfahl ihr schließlich, zu einem Venenarzt zu gehen, der das Lipödem bei ihr diagnostizierte. Aufgeklärt wurde sie über die Krankheit allerdings nicht, sodass Natascha sich selbst belesen musste. Ihre Hausärztin überwies sie zu Dr. Dirk Wisser im ärztlichen Praxiszentrum für Plastische und Ästhetische Chirurgie der Sozialstiftung Bamberg. „Im März 2016 ging ich zu Dr. Wisser, mit einer Heidenangst und Scham davor, mich auszuziehen. Die Angst war groß, dass auch er mit Unverständnis reagiert“, erinnert sich Natascha. „Aber er war der Erste, der mich ernst nahm, der mir die Fettabsaugung als Möglichkeit aufzeigte und bei dem ich mich sicher fühlte.“ Knapp ein Jahr später, im April 2017, führte Dr. Wisser eine Liposuktion bei Natascha durch, saugte insgesamt 4,4 Liter Fett ab. „Bereits nach dem Aufwachen sah ich deutlich weniger Fett an meinen Oberschenkeln und ein Wohlgefühl überströmte mich. Mein Umfang reduzierte sich um zwei Hosengrößen.“ Ihr stationärer Aufenthalt lag bei weniger als einer Woche. „Nach der OP war ich schnell schmerzfrei, wollte aktiv sein und das neue Körpergefühl nach außen tragen. Meine Narben sind sehr klein und fast unsichtbar. Anfangs nässten sie, aber auch das war erträglich.“

Und heute? Heute fährt Natascha Fahrrad, wandert und ist mit ihrer Tochter und ihrem Mann viel in der Natur unterwegs. „Ich habe ein großes Stück Lebensqualität zurückgewonnen. Ich bekomme keine komischen Blicke mehr zugeworfen, bin selbstbewusster, gehe gern shoppen und selbst schwimmen ist wieder drin. Ich kann mich wieder anfassen lassen, ohne blaue Flecke zu bekommen oder überempfindlich zu reagieren“, erzählt Natascha glücklich. Sie ist schmerzfrei und ernährt sich vollkommen normal. Sie denkt über eine Straffung der überschüssigen Haut nach. Das wäre mit einer weiteren OP verbunden und dafür lässt sie sich noch ein bisschen Zeit.


Kontakt:
Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Buger Straße 80
96049 Bamberg


 

 

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