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Pflegedienst

Pflege ist ein wichtiger Bestandteil der multiprofessionellen Behandlung in der Psychiatrie. Durch ihre beziehungsorientierte Arbeit mit dem Patienten und eine entsprechende Milieugestaltung schafft sie oft erst die Grundlagen für psychiatrische, medikamentöse, psychotherapeutische oder andere Behandlungsansätze.

Neben der Zuständigkeit für einen patientenorientierten Behandlungs- und effizienten Stationsablauf sowie der Assistenz bei Diagnostik und Therapie, hat psychiatrische Pflege vor allem folgende Ziele:

  • Unterstützung des Patienten/Klienten bei der Wiederherstellung bzw. dem Ausbau der Beziehung zu sich selbst und zur Umgebung
  • Stärkung und Förderung der vorhandenen Ressourcen
  • Erweiterung der sozialen Kompetenz
  • Aufbau und Training alltagspraktischer Fähigkeiten
  • Gestaltung von Alltag und Freizeit trotz Krankheit und/oder Behinderung (orientiert an der Lebenssituation und den ökonomischen Gegebenheiten des Einzelnen)
  • Förderung von Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Autonomie
  • Erarbeiten von Strategien im Umgang mit Krankheit/Krisen und Behinderung

Die psychiatrische Pflege im Klinikum am Michelsberg hat in den letzten Jahren ihre Aufgaben, ihr professionelles Verständnis und ihr Handlungsspektrum in Stationspflegekonzepten, Konzepten zum Aufnahme- und Belegungsmanagement und zur ambulanten Pflege festgelegt.

Regelmäßig absolvieren Pflegekräfte die 2-jährige Fachweiterbildung Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth.

Viele Mitarbeiter verfügen über besondere Qualifikationen und Kenntnisse, z.B.

  • Gesprächsführung nach Rogers
  • Fortbildung zur Leitung von Gruppen
  • Entspannungsverfahren
  • Validation
  • Aromatherapie
  • Deeskalationsmanagement nach Prodema®.

Die prozesshafte Sicht- und Handlungsweise der Pflege basiert überwiegend auf den Pflegetheorien nach Roper (Lebensaktivitäten), Orem (Selbstfürsorge) und Peplau (Interaktionsmodell).

Aus der Pflegeanamnese die im Rahmen des pflegerischen Erstgesprächs oder in den darauf folgenden Tagen erhoben wird, ergibt sich der Unterstützungs-, Hilfe- oder Förderbedarf des Patienten. Soweit möglich, werden gemeinsam die daraus resultierenden Ziele und Pflegemaßnahmen geplant. Sie werden im multiprofessionellen Team in den Behandlungsplan integriert und dann im Einzelkontakt oder im Gruppengeschehen umgesetzt.

Morgenrunde, Stationsversammlung, Morgengymnastik, Koch-/Backgruppe, Kognitives Training, Spaziergang, Qi Gong, Entspannung, Atemübungen, Improvisationsgruppe, Expositionstraining, Esstraining bei Essstörungen, Medikamententraining, gemeinsames Singen, Spielen oder kreatives Gestalten sind Beispiele pflegerischer Handlungsfelder.

Eine besondere Bedeutung hat die ambulante Nachsorge unserer chronisch psychisch Kranken. Pflege spielt dabei eine wichtige Rolle im multiprofessionellen Team. Ambulante Pflege erfolgt einerseits durch Fachpflegekräfte der Psychiatrischen Institutsambulanz, die fast ausschließlich aufsuchend tätig sind, andererseits aber auch durch Pflegekräfte der Stationen, hier insbesondere bei Patienten mit Suchterkrankungen.

Wichtig ist uns auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen, deren Bedeutung und Stellenwert für den Genesungsprozess ganz erheblich ist. Ihre Einbeziehung erfolgt spontan während der Besuchszeiten und geplant in Einzelgesprächen oder Angehörigengruppen.

Ein Spezifikum unserer Klinik ist die umfangreiche Anwendung alternativer Pflegemethoden. Wickel, Auflagen, Einreibungen, Entspannungsbäder u.a. kommen in einem hohen Maße zum Einsatz. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich regelmäßig mit neuen Methoden, festigt das Wissen und garantiert durch „Experten“ auf jeder Station die korrekte Umsetzung.

Weiterentwicklung

Aus Sicht der Pflege wollen wir uns verstärkt den Themen Recovery, Empowerment und Salutogenese zuwenden. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Auseinandersetzung mit Pflegediagnosen und deren mögliche Einführung sein.